Entwicklungsgeschichte des Fernsehens
1. Entwicklungsgeschichte des Fernsehens

Der Begriff „Fernsehen“ wird im Allgemeinen als Übertragung von bewegten Bildern und Tönen - simultan oder verzögert - an einen anderen Ort definiert, wo sie mittels eines Fernsehgerätes (auch TV-Gerät) empfangen und betrachtet werden kann.
Bei der Geschichte der Entwicklung dieser Technologie zeigt sich, wie früh die Menschen bereits an dieser Art der Informationsübermittlung interessiert waren. Schon im Jahre 1883 wurde von dem Deutschen Erfinder Paul Nipkow ein mechanisches Gerät entwickelt, welches auf einer gelochten Scheibe basierte und somit Bilder in helle und dunkle Signale zerlegen konnte.
Wenngleich Nipkow allgemein als Erfinder des Fernsehens angesehen wird, so war doch ein langer Weg zu absolvieren, um aus diesen ersten Studien der Bildbearbeitung ein funktionierendes, elektronisches Fernsehen für die breite Bevölkerung zu entwickeln.
Weitere Entwicklungsschritte folgten in den 20-er und 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ihnen war meist gemein, dass sie auf der von Ferdinand Braun entwickelten Kathodenstrahlröhe basierten. Einer der Schüler Brauns, Max Dieckmann, hatte bereits 1906 ein elektronisches Fernsehbild erzeugen können, welches auf der Nipkow Scheibe basierte, allerdings in Ermangelung einer für das Fernsehen geeigneten Kamera weitgehend bedeutungslos blieb.
Die entscheidenden Entwicklungsschritte wurden von dem Amerikaner Philo Farnsworth erbracht, der 1927 mit einer Kathodenstrahlröhre und einer Kameraröhre im Laborversuch eine Bildübertragung realisierte. Das elektronische Fernsehen war mit diesem Schritt erfunden.
Im Jahre 1935 folgte dann in Deutschland das erste periodisch ausgestrahlte Fernsehprogram, 1936 leistete die BBC Gleiches, sogar mit einer höheren Auflösung von 405 Zeilen.
Die Übertragung der olympischen Sommerspiele im Jahre 1936 gilt als erstes Fernseh-Event der Geschichte, mit einigen tausend Zuschauern, die das Programm in eigens eingerichteten Fernsehräumen und zudem über Großleinwände verfolgen konnten.
Die Ereignisse des zweiten Weltkrieges hemmten sodann die weitere Entwicklung des Fernsehens in Deutschland und Europa, obwohl im Jahre 1938 ein Volksfernsehgerät, ähnlich dem Volksempfänger für den Radiobetrieb vorgestellt wurde. Um die 500 Geräte befanden sich bei Kriegsausbruch in privatem Besitz.
Im Jahre 1944 wurde der deutsche Fernsehbetrieb vollständig eingestellt und erst im Jahre Dezember 1952 wieder aufgenommen.
Der Hersteller Telefunken war das erste Unternehmen, dass nach dem Krieg mit dem Fernsehgerät FE8 in die Produktionsserie eintrat, gefolgt von anderen Herstellern und einer allmählichen Senkung der anfänglich noch sehr hohen Anschaffungskosten.

alter Fernseher der 70 Jahre
@Marco Görlich/ PIXELIO

2. Übertragungsformen

Bei der Übertragung von Fernsehsignalen, unterscheidet man zwischen verschiedenen Verfahren, die im Laufe der Jahrzehnte entwickelt, vermarktet und verbessert wurden.
Die ursprünglichste Übertragungsform ist das Antennenfernsehen, auch terrestrisches Fernsehen genannt. Hierbei werden elektromagnetische Wellen ausgesendet, die von Dach- oder Zimmerantennen innerhalb des Einzugsgebietes aus empfangen werden können. Obwohl häufig von Fernsehtürmen oder anderen sehr hohen Gebäuden und auch Anhöhen und Bergen aus gesendet wird, sind die überwindbaren Distanzen eher gering.
Infolge dessen mussten viele Wiederholungspunkte errichtet werden, was den flächendeckenden Ausbau sehr teuer machte. Dabei ist die Qualität des Signals häufig von der Wetterlage abhängig und die maximale Anzahl der übertragbaren Sender ist begrenzt, so dass von Beginn der Fernsehgeschichte an versucht wurde, verbesserte Übertragungsformen zu entwickeln.
So wurde zu Beginn der 60-er Jahre damit begonnen, Fernsehsignale per Satellit auszustrahlen. Damals wurden über den Satelliten Telstar Fernsehsendungen von Amerika aus nach Frankreich übertragen. Zur ersten kommerziellen Nutzung kam es dann im Jahre 1965, als der Nachrichtensatellit Early Bird seinen Betrieb aufnahm. Neben Fernsehsendungen konnten hiermit ebenfalls andere Kommunikationsformen übertragen werden, wie zum Beispiel Ferngespräche. Heute befindet sich eine große Anzahl geostationären Satelliten im Einsatz, die in einer Höhe von ca. 35.000 km über der Erdoberfläche ihren Übertragungsdienst versehen. Mit einer Eigengeschwindigkeit von ca. 3km/s folgen sie der Erddrehung, so dass sich ihre Position in Bezug auf die Erde im Idealfall nicht verändert, wodurch die Qualität der Übertragung recht gleich bleibend ist.
Eine weitere Übertragungsform ist das Kabelfernsehen, dessen Entwicklung zu Beginn lediglich eine Verkabelungstechnik im Bereich größerer Wohnobjekte gewesen ist. Zu Beginn der 70-er Jahre startete dann die damalige Deutsche Bundespost den Versuch, abgeschattete Gegenden mit nur geringen Empfangskapazitäten mit einem geschlossenen, physisch verlegten Kabelnetz zu versorgen. Die Stärke dieser Übertragungsform liegt in der hohen und stabilen Übertragungsqualität, die unabhängig von den örtlichen Gegebenheiten und unbeeinflusst von äußeren Einflüssen stabil funktioniert.
Handelte es sich bei den frühen Formen des Kabelfernsehens um ein analoges Format, so wurde im Laufe der Zeit eine Erweiterung der Technologie vorgenommen. Unter der Bezeichnung DVB-C entwickelte sich das digitale Kabelfernsehen, welches neben einer noch höheren Signalqualität auch die Integration anderer Services erlaubt, wie zum Beispiel Telefonie, Internetzugang und Datenübertragung.
Mit DVB-T setzt sich auch im Bereich der terrestrischen Ausstrahlung eine digitale Norm durch. Im Gegensatz zum Empfang per Kabel kostenlos, bietet diese Übertragungstechnik eine Reihe von Vorteilen in Bezug auf Sendequalität, Programmvielfalt und Sendeleistung.

3. Fernsehsysteme

Aufgrund der weltweit zeitlich unterschiedlichen Entwicklung von Fernsehtechnologie, maßgeblich ausgelöst durch den 2. Weltkrieg und seine Folgen, kam es zu der Einführung unterschiedlicher Sendenormen in Bezug auf die Fernsehübertragung in Farbe.
Während die USA bereits im Jahr 1954 mit der Ausstrahlung von Farbprogrammen und dementsprechend mit der Entwicklung und dem Vertrieb von Farbfernsehgeräten begonnen hatten, erfolgte dieser Schritt in Europa erst mehr als 10 Jahre später.
In den USA hatte man eine Sendenorm entwickelt, die abwärtskompatibel zu den bereits am Markt befindlichen Schwarzweiß-Geräten sein sollte. Um dies zu erreichen wurde das Übertragungssystem NTSC (National Television Systems Committee) gestartet. Eine Eigenschaft der frühen NTSC Geräte war die mangelnde Farbechtheit, vor allem in Bezug auf natürliche Hautfarben, die häufig ins Grüne oder Violette verschoben waren. Ein entsprechender Regler an den Geräten konnte dies zwar ausgleichen, musste aber im Verlaufe einer Sendung mehrmals nachjustiert werden.
Bis zum heutigen Tage ist NTSC, teilweise in leichten Abweichungen, die Sendenorm in Nord- und Mittelamerika, in Teilen Südamerikas sowie in Japan.
Als in Europa, Mitte der 60-er Jahre, eine neue Norm zur Übertragung farbiger Fernsehsignale entwickelt werden sollte, war eines der Hauptziele, die störenden Farbabweichungen des NTSC Systems zu vermeiden. Mit dem Übertragungssystem PAL (Phase Alternation Line) gelang dies schließlich. Bei diesem Verfahren werden die Rotsignale jeder zweiten Bildzeile um 180 Grad phasenverschoben übertragen, ausgehend davon, dass zwei aufeinander folgende Bildzeilen mehr Ähnlichkeiten als Abweichungen aufweisen. Auf diese Weise wird aus dem Farbton-Fehler des NTSC Systems stattdessen ein Farbsättigungsfehler, der für das menschliche Auge wesentlich schwerer wahrnehmbar ist und sich infolge dessen nicht störend auswirkt.
PAL setzte sich in der Folge zunächst in Europa (außer Frankreich), später auch im größeren Teil Südamerikas, in England und einigen osteuropäischen Staaten, in Australien sowie in großen Teile Afrikas, im nahen und mittleren Osten, in Indien, in Südostasien sowie in China durch.
Als drittes System wurde in Frankreich, fast zeitgleich mit PAL die Sendenorm SECAM (Séquentiel couleur à mémoire) entwickelt. Auch hier ging es um die Vermeidung der störenden Farbeffekte bei NTSC, jedoch wurde eine andere Technologie gewählt: Da SECAM im Gegensatz zu NTSC und PAL anstelle der Amplitudenmodulation die Frequenzmodulation einsetzt, bei der Phasenverschiebungen die Farbinformationen nicht verändern können, andererseits jedoch pro Zeile auch nur ein Farbdifferenzsignal übertragen werden kann, wird hier mit einer kurzfristigen Speicherung des Signals der vorherigen Zeile gearbeitet. Die damit einhergehende Verringerung der Auflösung ist für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar.
Neben Frankreich ist SECAM heutzutage in Nordafrika, in ehemaligen französischen Kolonien in Afrika in einigen Staaten Osteuropas sowie in Russland verbreitet.

4. Farbfernsehen

Unter Farbfernsehen versteht man die gleichzeitige Übertragung von Helligkeits- und Farbsignalen und es ist bemerkenswert, dass mit Beginn der Forschungen, Erfindungen und Enwicklungen im Bereich Bildübertragung auch unmittelbar an der Farbübertragung gearbeitet wurde.
So bewerkstelligte der Schotte John Logie Baird bereits im Jahr 1928 erstmalig die Übertragung farbiger Fernsehbilder, wenngleich auch auf teilmechanischer Technik basierend. Werner Flechsig entwickelte im Jahre 1938 die Schattenmaskenröhre, durch deren Wirkungsweise beim Fernsehgerät auf jegliche mechanische Technik verzichtet werden konnte, so dass die ersten Farbfernsehbilder der Weltöffentlichkeit auf der Berliner Funkausstellung im Jahr 1939 vorgestellt werden konnten.
In den USA bemühten sich verschiedene Entwickler seit Ende der 40-er Jahre um eine Ausstrahlung von Fernsehsendungen in Farbe. Die Problematik bestand allerdings in der nicht vorhandenen Kompatibilität der Übertragung in Bezug auf die bereits am Markt befindlichen Schwarzweiß-Geräten. Das Problem wurde erst mit einer getrennten Übertragung von Helligkeits- und Farbinformationen innerhalb der NTSC-Sendenorm im Jahr 1953 gelöst, so dass bereits 1954 Farbfernsehgeräte in den USA in großen Serien hergestellt und vertrieben wurden.
In Deutschland erfolgte der entsprechende Schritt mehr als ein Jahrzehnt später, mit der Einführung der PAL-Sendenorm von Walter Bruch Mitte der 60-er Jahre, gefolgt von dem französische System SECAM.
Das Farbfernsehen in Deutschland wurde am 25. August 1967 durch den damaligen Außenminister Willy Brandt im Rahmen einer Life-Übertragung von der Internationalen Funkausstellung in Berlin, bei der Brandt symbolisch auf einen roten Knopf drückte, eingeführt. Lediglich 5.000 Haushalte in Deutschland waren in der Lage, dieses Ereignis bereits auf einem Farbfernsehgerät zu verfolgen. Im Jahr 1969 startete dann das offizielle Farbfernsehen der DDR, wobei hier die französische Sendenorm SECAM gewählt wurde.
Als Mitte der 50-er Jahre in den USA das Farbfernsehen für die Zuschauer empfangbar wurde, kostete ein Gerät mit einer 21 Zoll Bildröhre umgerechnet mehr als 12.000 Euro und brachte ein Gewicht von über 100 kg auf die Waage.

moderner 3D Flatscreen.
© O.Fischer / PIXELIO
5. Allgemeine Entwicklung

Innerhalb der Bestrebungen, die Fernsehqualität in Bezug auf Bild- und Tonübertragung stetig zu verbessern, zusätzliches Services hinzuzufügen und weitreichende Unabhängigkeit vom Standort des Empfängers zu gewinnen, wurden innerhalb der letzten Jahrzehnte stetig neue Technologien entwickelt.
War es also zu Beginn der Fernsehentwicklung zwingend nötig, sich vor einem Gerät in einer hohen Gewichtsklasse, angeschlossen an eine große Empfangsanlage zu befinden, verbunden mit einer großen Abhängigkeit von äußeren Bedingungen, wie dem Wetter, so stellt es heutigen Tages kein Problem mehr dar, mit einem transportablen, batteriebetrieben DVB-T Empfänger an mehr oder weniger jedem beliebigen Ort, Fernsehsendungen in höchster Qualität zu empfangen.
Bis zum Jahr 2010 soll die gesamte Fernsehausstrahlung in Deutschland vor diesem Hintergrund auf digitale Technologie umgestellt sein. Europaweit gibt es das Vorhaben, den analogen Sendebetrieb bis zum Jahr 2012 vollständig abzustellen.
Eine konsequente Umstellung auf digitale Übertragungs- und Empfangstechnik wird dann wohl den Boden für immer höhere Empfangsqualität und darüber hinaus eine Vereinheitlichung der heute teilweise noch sehr unterschiedlichen Sendeverfahren bereiten.
Im gleichen Zuge hat sich im Laufe der jüngeren Vergangenheit auch die Verbreitung moderner Empfangsgeräte erhöht. Rückprojektionsfernseher, Flachbildschirme auf der Basis von Plasma- oder LCD-Technologie und moderne Projektionstechnik (Beamer) sind im Begriff, die konventionellen Röhrenfernseher abzulösen. Bei weitaus größerer Betrachtungsoberfläche sind die Geräte dennoch kompakter, leichter, stromsparender und inzwischen vielfach auch preiswerter, als die herkömmlichen Röhrengeräte. In diesem Zuge war der Anteil der im Jahre 2006 verkauften Flachbildfernseher erstmalig höher, als der Anteil der Röhrenfernseher.
Im Zuge der Zentralisierung technischer Heimanwendungen spielt das IPTV eine stetig größer werdende Rolle. Auf Basis des Internet-Protokoll (IP) werden hier Fernsehprogramme, Filme oder Musik unmittelbar von einem PC aus empfangen. Im gleichen Zuge gibt es Bestrebungen, vermehrt auch Fernsehsendungen über das öffentliche Internet zu übertragen (Internet-TV), um hiermit dem Bedürfnis der Verbraucher Rechnung zu tragen, immer mehr multimediale und andere Anwendungen vom eigenen PC aus zu empfangen, zu verwalten und zu konsumieren.
Stellt man sich die Geschichte des Fernsehens von seinen Anfängen im Jahre 1883 an, bis zu seinen digitalen und auf Diversifizierung ausgerichteten Formen der heutigen Zeit vor, so stellt man fest, dass die Entwicklungen immer rasanter geworden sind. Bei einer weiteren Vereinheitlichung der weltweit immer noch stark unterschiedlichen Sendenormen und Übertragungsformen wird es innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne zu einer flächendeckenden Verbreitung unzähliger Informations- und Unterhaltungsangebote kommen, unabhängig vom jeweiligen Standort des Konsumenten.

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